ÖSG - Österreichisch-Spanische Gesellschaft

Über uns

Auszug aus dem Buch "rot-weiß-rote PaN Geschichten (1945-2005)"

Proponenten der "Österreichisch-Spanischen Gesellschaft, Gesellschaft zur Förderung der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und allen Ländern spanischer Zunge" waren die Landtagsabgeordnete Nora Hiltl und Univ.Prof. Dr. Rainer Schubert-Soldern vom Institut für experimentelle Zoologie und vergleichende Anatomie und Physiologie der Hochschule für Bodenkultur in Wien. Das geht aus einem Schreiben der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit vom 28. November 1955 hervor. Am 11. Juni 1956 rügt das Vereinsbüro, dass noch keine Anzeige über die Konstituierung eingelangt ist. Schubert-Soldern antwortet am 21. Juni 1056, dass "er im April einen Unfall hatte und bis vor kurzem daran leidete. Zur Zeit ist es ebenfalls nicht möglich, weil sich mehrere auf Urlaub befinden". Doch schon am 17. Juli 1956 fand eine Generalversammlung statt. Der Vereinssitz befand sich im Cafe "Altes Rathaus" in Wien I., Wipplingerstrasse 24. Ehrenpräsident wurde Unterrichtsminister Dr. Heinrich Drimmel, Präsident der Chefredakteur der "Furche" Staatsrat Dr. Friedrich Funder und Geschäftsführender Präsident der Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten" Dr. August Canaval. Vizepräsidenten waren der Spanische Botschafter Jose de Erce, Minister a.D. DDDr. Udo Illig, Philipp Gudenus und Univ.Prof. Dr. Rainer Schubert-Soldern. Es gab einen eigenen Verwaltungsdirektor für Kultur, und zwar Herold-Verlag-Generaldirektor und Herausgeber der Wochenzeitung "Die Furche", DDr. Willy Lorenz, und einen für Wirtschaft, Dr. Paul Prandstetten. Generalsektretärin war die Landtagsabgeordnete Sektionsrat Prof. Nora Hiltl und Schatzmeister der Sozial- und Wirtschaftshistoriker Universitätsprofessor Dr. Taras Borodajkewycz. Zu Beisitzern wurden Bundesrat Fritz Eckert, Caritas-Präsident Prälat Monsignore Leopold Ungar, Generaldirektor Ing. Alfred Demelmayer und Fürst Ernst Rüdiger Starhemberg, der ehemalige Vizekanzler unter Dollfuß und Schuschnigg und Heimwehrführer, bestellt.

Der Name Borodajkewycz sollte einige Jahre später traurige Berühmtheit erlangen. Er galt als prononcierter, bekennender und lehrender nationaler Rechter, der seinen Lehrstuhl an der damaligen Hohschule für Welthandel zu neonazistischer Propaganda missbrauchte. Die Austria Presse Agentur berichtete am 24. März 1965, "dass die Staatsanwaltschaft wegen antisemitischer Äußerungen gegen ihn Erhebungen eingeleitet hat. Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Kritikern von Borodajkewicz wird am 31. März in Wien der 67jährige Widerstandskämpfer und KZ-Häftling Ernst Kirchweger von dem Neonazi Günther Kümel schwer verletzt. Er stirbt am 2. April und war damit der erste politische Tote seit 1945."

Später wird Handelsminister Dr. Fritz Bock einer der Vizepräsidenten und Prof. Dr. Viktor Frankl einer der kulturellen Beiräge. 1960 wechselte der Vereinssitz ins Palais Palffy, dem Österreich-Haus am Josefsplatz 6. Neuer Präsident wurde Generaldirektor DDr. Willy Lorenz und Geschäftsführender Präsident Philipp Gudenus. Bei der Generalversammlung am 9. März 1968 kam es zur Wahl von Graf Gudenus zum neuen Präsidenten, die Vereinsadresse wechselte nach Wien I., Lugeck 1/3/9. Neue Vizepräsidenten wurden Legationssekretär Don Ramón Villanueva-Etcheverria und Dr. Friedrich Langer vom Unterrichtsministerium, der Generalsekretär hieß Dir. Juan Middelmann-Medem und Geschäftsführender Vizepräsident wurde Vizekonsul Obermedizinalrat Dr. Hans Stopfer. Als Beisitzer fungierten u.a. die Direktorin des Spanischen Reisebüros Jose Gonzales Quijano. Interessant ist ein schriftlicher Bericht von Stopfer anlässlich der Generalversammlung am 10. April 1969, weil er die oftmals schwierige Situation auch anderer bilateraler Gesellschaften widerspiegelt: "Herr Steiger kritisiert das mangelnde Engagement der Vorstandsmitglieder und meint, er hätte durch seine Bemühungen die Tätigkeit der Gesellschaft in Schwung gebracht. Meiner Ansicht nach war das aber nicht der Fall. Er hat zwar innerhalb des Vorstands ein Organisationskomitee gegründet, die Folge davon war jedoch, dass die Gesellschaft weiter inaktiv blieb, weil die Organisatoren überfordert waren - die finanziellen Erfolge wurden aber durch die hohen Kosten der Drucksorten zum Teil kompensiert. Einige der Kritiken sind jedoch nicht unberechtigt: Der Mangel an persönlichem Kontakt in unserer Gesellschaft, der hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass wir kein Klublokal haben. Mein Hauptanliegen ist also ein Lokal für die persönliche Kontaktpflege zu finden."

Die Generalversammlung vom 19. März 1970 fand in der Spanischen Botschaft statt. Das entsprechende Protokoll vermeldet, dass der Mitgliederstand im abgelaufenen Jahr auf insgesamt 115 erhöht werden konnte. Penibel werden alle Veranstaltungen aufgelistet, die oft im Österreich-Haus des Palais Pallfy stattfanden. Präsident Gudenus und der Geschäftsführende Präsident Stopfer bedanken sich besonders beim Spanischen Fremdenverkehrsamt und bei Iberia für die großzügige Unterstützung. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Mitteilungsblatt "Hisoania" herausgebracht. Am 8. Juni 1972 genehmigte die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit im Bundesministerium für Inneres die Namensänderung auf "Österreichisch-Spanische Gesellschaft/Associación Austro-Espánola". In weiterer Folge wurde Stopfer Präsident, welche Funktion er übrigens auch bei der "Österreichisch-Guatemaltekischen Gesellschaft" ausfüllte. Als Vereinsadresse findet sich jetzt Wien I., Maysedergasse 4.

Ob sich die personelle Zusammensetzung der "Österreichisch-Spanischen Gesellschaft" jemals am faschistischen Spanien unter Diktator Generalissimo Francisco Franco Bahamonde orientierte, ist heute der Spekulation überlassen. Der Name Borodajkewycz lässt diese Annahme ebenso als möglich zu, wie auch das Faktum, dass es in der Fanco-Zeit in den Führungsgremien des Vereins keine Vertreter der Sozialistischen Partei gab. Franco starb am 20. November 1975.

In einer außerordentlichen Generalversammlung vom 2. Oktober 1980 wurde an Stelle des verstorbenen Präsidenten Stopfer der damalige Vizepräsident, der Angestellte Kurt Bielka-Karltreu, zu seinem Nachfolger gewählt. Er war der Halbbruder des parteifreien österreichischen Außenministers in der Kreisky-Ära, Dr. Erich Bielka-Karltreu. Dessen Witwe Etta erinnert sich noch heute daran, dass Kurt und seine Frau Heidi in das Land Spanien geradezu vernarrt waren, viele Reisen dorthin unternahmen und dabei immer in den teuersten Hotels logierten. Einmal pro Jahr hätte sich die Gesellschaft zur Festigung des Zusammenhalts und als Danksagung für die Gründung in Mariazell getroffen.

Aktiv an der Diskussion in dieser Generalversammlung beteiligten sich auch der Jahrzehnte als Kulturrar an der Spanischen Botschaft werkende Dr. Xavier Sellés-Ferrando und die damals im Bundeskanzleramt tätige Frau von Heller. Gastredner war der damalige Kabniettsvizedirektor Sektionschef Dr. Wilhelm Korab-Mühlström. Neben der Neuwahl ging es um sehr grundsätzliche Fragen im Hinblick auf das 25jährige Bestandsjubiläum im nächstfolgenden Jahr 1981 und die weitere und ungewisse Zukunft der Gesellschaft. Eine der diskutierten Varianten war die Integration der Gesellschaft in das Spanische Kulturinstitut, welches anlässlich des ersten Österreich-Staatsbesuchs von König Juan Carlos im Februar 1978 eröffnet wordwen war und seither bisherige Aktivitäten der Gesellschaft in immer stärkerem Ausmaß übernommen hatte. Die Variante schied jedoch schon allei aus rechtlichen Gründen aus. Besonders beklagt wurde in der Diskussion das Ausbleiben der Subvention der Spanischen Botschaft. Denn dadurch war die Herausgabe des Mitteilungsblattes "Hispania" ernsthaft gefährdet.

Der Niedergang der bilateralen Gesellschaft war aber nicht mehr aufzuhalten; eine neue Führungspersönlichkeit konnte bei starkem Mitgliederschwund nicht gefunden werden. Eine letzte und außerordentliche Generalversammlung fand daher am 4. Oktober 1986 in idyllischer Umgebung statt, nämlich in der Taverne des Stiftes Heiligenkreuz. Gezählte 7 Vereinsmitglieder waren anwesend. Davon stimmten letztlich 5 für eine Stilllegung bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme. Als Abschluss fanden eie Stiftsführung und ein gemeinsames Mittagessen statt. Die Gesellschaft meldete diese Stilllegung der Vereinsbehörde am 27. Oktober 1986 und nochmals am 13. Jänner 1987. Doch erst mit Schreiben vom 13. September 1989 teilte das Büro für Vereins- und Presserechtsangelegenheiten der Bundespolizeidirektion Wien der letzten Generalsektretärin Dipl.-Dolm. Elisabeth Turetzky mit, dass die Löschung des Vereins aus dem Vereinskataster veranlasst werde; anscheinend wurde anstelle der unüblichen "Stilllegung" eine Auflösung im kleinen Kreis beschlossen. Die gemäß Vereinsgestz 1951 vorgeschriebene Verlautbarung der Auflösung folgte am 15. Oktober 1989 im amtlichen Teil der Wiener Zeitung. Ähnliches teilte das Spanische Fremdenverkehrsbüro in Wien mit Schreiben vom 3. November 1989 der "Arbeitsgemeinschaft der österreichisch-ausländischen Gesellschaften" mit.

Über besondere Initiative des damaligen Präsidenten der Österreichischen Nationalbank Kommerzialrat Adolf Wala kam es im Jahre 2002 zu einer Neugründung. Einerseits wollte man den leeren Platz Spaniens im Dachverband PaN besetzen, andererseits mit positiver und aufklärender Vereinsarbeit den vormaligen EU-Sanktionen gegen Österreich entgegenwirken. Bei der konstituierenden Generalversammlung der "Österreichisch-Spanischen Gesellschaft" am 16. Oktober 2002 wurde Dkfm. Engelbert Graf Wenckheim, der ehemalige Chef der Ottakringer Brauerei, zum ersten Präsidenten sowie der vormalige Botschafter Österreichs in Spanien Dr. Richard Wotawa und der Verleger Hans-Jörgen Manstein zu Vizepräsidenten gewählt. Der Königlich Spanische Botschafter Mag. Raimundo Perez-Hernandez y Torra wurde Ehrenpräsident und unterstützte die Arbeit der bilateralen Gesellschaft fortan sehr intensiv. Einer der weiteren prominenten Vereinsvorstände war Prof. Francisco Ferrero Campos, der Mann der damaligen Außenministerin Dr. Benita Ferrero-Waldner und Direktor des Instituto Cervantes in Wien.

"Pulpo a Feira", erzählt von Dr. Walter Knirsch:
  • 1 Pulpo, 1 ganze Zwiebel
  • 1-2 Lorbeerblätter
  • kaltgepresstes Olivenöl, Meersalz
  • mittelscharfes Paprikapulver
Wer sich mit der Kulturgeschichte des Essens beschäftigt, wird vor allem in Spanien in mehrfacher Hinsicht fündig. Damit meine ich neben einer unwahrscheinlich abwechslungsreichen Vielfalt an Gerichten die ganz speziellen Sitten und Gebräuche rund ums dortige Abendessen, die ich aus persönlicher Erfahrung in heiterer Erinnerung bewahre. Dazu möchte ich ihnen eine kleine Geschichte erzählen.

Vor vielen Jahren machte ich meine erste Urlaubsreise nach Südspanien. Mit im Gepäck verwahrte ich auch eine Liste eines Freundes mit besonders empfehlenswerten Restaurants südlich von Malaga. Bereits am ersten Tag wählte ich aus dieser Liste für das Abendessen ein etwas außerhalb der Stadt gelegenes Lokal, das als zu den führenden der Region gepriesen wurde. Die Vorfreude war daher groß, ebenso der Hunger. Elegant gekleidet und voller Erwartung fuhr ich mit meinem Mietauto zu diesem Restaurant. Ich sah es schon von weitem und wunderte mich etwas über die düstere Beleuchtung. Ich sah gedeckte Tische und einige Kellner, die ohne Sakko lachend herumsaßen. Aber ich bemerkte überhaupt keine Gäste! Da dachte ich mir, dass dieses Lokal seit dem Besuch meines Freundes vermutlich start an Bedeutung verloren hatte und nicht mehr zu empfehlen war.

Verärgert fuhr ich unverzüglich zurück ins Hotel, aß augiebig "international" und ging zu Bett. Am nächsten Tag erzählte ich dem Kellner beim Frühstück von meinem Erlebnis und fragte ihn, ob dieses Lokal möglicherweise zwischenzeitig seinen guten Ruf eingebüßt hätte. Der Kellner hörte mir zu und stellte gleich die entscheidende Frage: "Um welche Uhrzeit waren Sie denn bei diesem Lokal?" Ich antwortete: "So um 20 Uhr." Worauf er mir erklärte: "Kein Spanier geht doch vor 22 Uhr zum Abendessen!" Deswegen sei es vollkommen natürlich gewesen, dass ich zu meiner mitteleuropäischen Dinner-Besuchszeit noch keine Gäste angetroffen hätte. Und was machen dann hungrige Mitteleuropäer, die gewohnt sind, spätestens um 20 Uhr zu essen, um die Zeit bis 22 Uhr zu überbrücken, wie es spanische Sitte ist. Der Kellner schmunzelt und empfahl mit den Besuch einer Tapas-Bar mit kleinen köstlichen Häppchen und einer großen Vielfalt an Aperitifs. Ich habe diesen Rat gerne befolgt, wenn auch die Gefahr besteht, dass man nach zu vielen Tapas die Lust auf das eigentliche Abendessen verliert. Mein folgender Besuch im selben Restaurant, das ih am ersten Abend meines Urlaubes so vorschnell verlassen hatte, war jedoch in jeder Hinsicht ein Genuss.

Für alle, die auch in Wien ein kleines exzentrisches Tapas-Gericht zubereiten möchten, habe ich einen Vorschlag mitgebracht. Die Speise heißt "Pulpo a Feira" und ist in Kombination etwa mit Jamon Iberico, dazu ein Glas trockener Sherry oder Weißwein, einfach eine Sensation.

Sie benötigen bloß 1 Pulpo, 1 ganze Zwiebel, 1-2 Lorbeerblätter, gutes kaltgepresstes Olivenöl, Meersalz und mittelscharfes Paprikapulver.

In spanischen Kochbüchern wird eine heftige Diskussion über die Art und Weise der Zubereitung eines Pulpos, also einer Krake, geführt. Einige empfehlen, den Pulpo vorher tiefzufrieren. Andere schwören darauf, den Pulpo eine halbe Stunde lang auf einer harten Unterlage zu klopfen, damit das Fleisch auch wirklich weich ist. Bei den zumindest im Wiener Bereich erhältlichen Pulpos ist meiner Erfahrung nach all dies nicht notwendig.

Sie kaufen eine geputzte ganze Krake und kochen diese in Meersalzwasser mit Zwiebeln und Lorbeerblättern je nach Größe zwischen 1 und 2 Stunden. Den Kochgrad kann man durch leichtes Andrücken am Fleisch feststellen. Nachdem der Pulpo fertig gekocht ist, schneidet man die Arme in ungefähr 1,5 bis 2cm dicke Scheiben, legt sie auf einen Holzteller, beträufelt sie leicht mit Olivenöl und bestreut sie mit Meersalz und Paprika. Fertig ist das Mahl! Für Knoblauchliebhaber ist auch ein feiner Hauch Knoblauch möglich. Im Originalrezept sind als Beilage kleine gekochte Erdäpfel vorgesehen, es ist jedoch auch frisches Weißbrot möglich. Der Pulpo sollte übrigens lauwarm gegessen werden.

Was man noch wissen sollte: Die Speise stammt aus Galicien in Nordspanien und ist ein wesentlicher Bestandteil aller spanischen Volksfeste.
In diessem Sinne wünsche ich Ihnen:

"Buen Apetito!"